Montag, den 30.8.2021 – aus aktuellem Anlass – Info- und Diskussionsabend Afghanistan

von IL Karlsruhe und AKI Karlsruhe im Roten Stern, Steinstr.23, (Gewerbehof) 2.OG in Karlsruhe Karlsruhe Bringt bitte Masken und ggfls einen aktuellen Test mit bzw die 2 G.

Als Anlage ein aktuelles Flugi zu Afghanistan:
„Im Kampf der Guten gegen das Böse ist es immer das Volk das die Toten stellt“ Eduardo Galeano
Stoppt den Kreislauf des Terrors in Afghanistan!
Weder religiöser Fundamentalismus noch imperialistische Militärintervention oder korrupte Regime.
Sofortige Evakuierung und Aufnahme aller afghanischen Schutzbedürftigen !
Unterstützen wir alle Menschen in Afghanistan, die wie wir für eine solidarische emanzipatorische Gesellschaft kämpfen.
Wir sind wütend über die Heuchelei der politisch verantwortlichen Bundesregierung, die nach 20 Jahren Krieg Tausende dem Terror der Taliban überlässt, da angeblich „damit niemand ge-rechnet hat“. Die zugespitzte Lage in Afghanistan wurde für den Fall des Abzugs der westli¬chen Streitkräfte von Expert*innen einhellig vor¬hergesehen.

Die erneute Machtübernahme der Taliban in Afgha-nistan wird für die Mehrheit der Bevölkerung, insbe-sondere für alle die Menschen, die sich für soziale Gerechtigkeit, für Freiheitsrechte und tatsächliche Teilhabe der Bevölkerung an politischen Entschei-dungsprozessen, für Frauen- und Minderheitenrechte eingesetzt haben, zu einer weiteren Verschlechterung der Lebensverhältnisse führen. Für viele von ihnen bedeutet die aktuelle Entwicklung erhöhte Lebensge-fahr. Die Diskussion in der BRD und den Nato-Part-nerländern macht erneut deutlich, daß es bezüglich Afghanistan auch jetzt nicht um Menschenrechte und Frauenleben geht sondern um Macht- und Ansehens-verlust der USA und ihrer Verbündeter und natürlich auch um die Auswirkungen der Bilder vom Flughafen in Kabul auf die Bundestagswahlen.

Im Mittelpunkt der Diskussionen steht die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass nach 20 Jahren Kriegseinsatz die hochgerüsteten NATO-Verbände nicht nur nicht gewinnen konnten, sondern durch die Art und Weise des Abzugs „ihr Vertrauen in der Welt verspielen“. Dabei ausgelassen werden bewusst die Hintergründe des Krieges nach dem 11.9.2001 und die eigene Beteiligung an der Ausbildung und Bewaff¬nung islamistischer Kräfte ob es sich nun um Mudjahedin, Warlords, Taliban oder selbst IS-Kämpfer handelt, die zwischenzeitlich auch zu den Akteuren in Afghanistan gehören. Wir haben schon 2001 gegen den militärischen Einmarsch und den Krieg gegen die afghanische Bevölkerung protestiert, der mit massiven Luftschlägen begann und Tausende tote Zivilisten und 2 Millionen Flüchtende als „Kollateralschaden“ in Kauf nahm. Die verbrecherische Ermordung von unschuldi-gen Zivilisten in Afghanistan, Krieg gegen die Bevölke-rung eines ganzen Landes kann nicht durch die ver-brecherische Ermordung von 5.500 Menschen beim Anschlag auf die Zwillingstürme in New York gerecht-fertigt werden. Die damalige Bundesregierung aus SPD/Grünen haben die Beteiligung an diesem Krieg zu verantworten. Beide Parteien halten auch jetzt noch an der Richtigkeit ihrer Entscheidung fest. Doch es ging nur vordergründig um die Anschläge vom 11.9.2001. Es ging auch damals um strategische und vor allem wirtschaftliche Interessen.

Kein Krieg für Öl? (aus Antikriegsflugi 10/2001)
„Öl ist die versteckte Triebfeder dieses Krieges“ erklärte Tony Ro¬senbaum, Energieexperte und Politologe der Uni-versität of Flo¬rida.2001. In den Anrainerstaaten der ehemali-gen Sowjetunion am Kaspischen Meer liegen nach der Golf-re¬gion die größten Erdöl- und Erdgasvorkommen der Welt weitgehend un¬berührt. Nach¬dem Zusammenbruch der So-wjetunion iwar es das Ziel der US-Regie¬rung Zugang bzw Kontrolle dieser Rohstoffvor¬kommen zu erhal¬ten. In diesem Zusammenhang bekam Af¬ghanistan für die USA eine be-sondere strategische Bedeu¬tung. Bereits 1995 ver¬ein¬bar¬ten der US-Ölkonzern Unocal der bereits über Li¬zenzen in der kaspischen Region verfügt, die CIA und die Taliban nach dem Sieg der Taliban eine 1700 km lange Ölpipeline durch Afghanistan nach Pakistan zu bauen. Dazu brauchte man ein stabilisiertes und kooperationsbereites Regime in Afgha-nistan. Deshalb wurden die Taliban mit 450 Millionen US$, zuletzt mit 43 Millionen US$ im Frühjahr 2001 von der US-Regierung und dem CIA unterstützt. Menschen¬rechte und die Lage der Frauen spielten keine Rolle. Doch das ge-wünschte Ergebnis blieb aus. Der Bürgerkrieg fand kein Ende. Die Ta¬liban erwiesen sich nicht als verlässliche Hand-langer und konzentrierten sich mehr auf ihre ideolo¬gisch reli-giöse Kon¬zeption als auf die ökonomischen Inter¬essen ihrer Geldge¬ber.
Da auch die Taliban den Bau der Öl- und Gaspipeline nicht ga¬rantier¬ten, dachte die US-Regierung bereits vor dem 11.September über ei¬n mögliches Kriegsszenario nach, um ihre strategischen Interessen in Afghanistan zu sichern. Der Terroran¬schlag am 11.September dient nun zum Vorwand lang ge¬plante, bisher nicht ohne weiteres durchsetz¬bare geostrategi¬sche Ziele der US-Regierung durchzusetzen, wie sie zB der ehe¬malige US-Si¬cherheitsbe¬rater Prof.Brzezinski 1997 in sei¬nem Buch „Die ein¬zige Welt¬macht – Amerikas Strate¬gie der Vorherr¬schaft“ dargelegt hat. Im Fahr¬was¬ser die EU und auch die BRD. Die Mittel: Aufrüs¬tung und Kriegs¬füh¬rung – ohne Rücksicht auf Ver¬fassungen, Völ-kerrecht, UNO oder an¬dere lästige Be¬schrän¬kungen…Die USA, die nun alles mit dem Kampf ge¬gen Terrori¬sten rechtfer¬tigt, hat i.ü. bislang noch keine ein¬zige der von der UNO be¬schlos¬se¬nen Anti-Terrorkon¬ventio¬nen ratifiziert, da sie dann nicht mehr willkürlich ent¬schei¬den kann wer nun Terrorist ist und wer nicht..

Die Ideologie der Taliban wurde nie wirklich bekämpft
Die Taliban wurden 2001 von der Macht vertrieben, aber nie wirklich bekämpft, schon gar nicht hinsichtlich ihrer ideologischen Vorstellungen. Auch die von den Westmächten mitgeschriebene Verfassung basiert z.B. auf der Scharia. Bereits nach wenigen Jahren NATO-Präsenz in Afghanistan begannen sich die Ta¬liban zu reorganisieren und Schritt für Schritt ihren Einfluss politisch wie militärisch wieder auszuweiten. Die von den Besatzungsmächten installierte Regie¬rungen oder mit Pseudowahlen an die Macht ge¬bracht, hatten für die Mehrheit der Bevölkerung ebenso wenig Legitimität wie die Taliban. Fortschritts¬berichte auch der BRD um den Militäreinsatz immer wieder zu rechtfertigen beschönigten die tatsächliche Lage und bezogen sich hauptsächlich auf Kabul. Doch auch in der Hauptstadt wurde die Sicherheitslage im¬mer schwieriger, Anschläge von Taliban und IS häuf¬ten sich. Die nun vorgebrachten Rechtfertigungen, man habe von der Entwicklung nichts gewusst, ist schlichtweg gelogen und dient ausschließlich dazu, die aus Sicht der Herrschenden für sie negativ ausgegan¬gene Kriegsbeteiligung, und die damit verbundenen Kosten, irgendwie zu rechtfertigen.
Die aktuelle Situation in Afghanistan lässt erwar¬ten, dass Zehntausende Menschen Afghanistan verlassen müssen und werden.
Wollte man schon die Zahl der aufzunehmenden ein-heimischen Hilfskräfte möglichst klein halten, so ist es nun das Ziel der Bundesregierung, möglichst keine Geflüchteten aus Afghanistan aufnehmen zu müssen. Es soll verhindert werden, dass die Menschen über-haupt in die EU kommen können. Entsprechend dem Türkei-BRD-Deal zur Abwehr syrischer Flüchtlinge, soll dieses Modell nun auch auf afghanische Nachbar-staaten ausgedehnt werden. Nicht zuletzt hierin zeigt sich der Zynismus der aktuellen Politik. Und auf Frau-enrechte bezogen wird dies besonders deutlich, sind doch Pakistan und der Iran nun wirklich keine Orte der Frauenemanzipation und beruhen auf den gleichen Rechtsgrundsätzen der Scharia.
Die Position der Bundesregierung ist ein Skandal !
Die Bundesregierung ist aufgefordert ihre Politik hin-sichtlich Flüchtlingsaufnahme sofort zu ändern.
Im ZDF-Interview erklärte Außenminister Maas wort-wörtlich, dass Deutschland nur unmittelbar bei Bun-deswehr und Botschaft beschäftigte Afghan*innen schützen werde. Die Zahl der Mitarbeiter*innen afgha-nischer NGOs liege bei Zehntausenden: um die könne man sich nicht auch noch kümmern. Heißt im Klartext: Afghan*innen, die sich in den letzten Jahren aktiv für Menschenrechte und Demokratie eingesetzt haben, und deshalb jetzt von Folter und Tod bedroht sind, werden ihrem Schicksal preisgegeben. Aus. Denn hierzulande ist Wahlkampf.
Die Bilanz nach 20 Jahren Krieg sowie der Parteien CDU-SPD-GRÜNE-FDP ist verheerend. Die Taliban sind heute stärker denn je. Gerne wird verschwie¬gen, dass Taliban und Mudjahedin mit massiver finan¬zieller und militärischer Unterstützung der US-Regie¬rung und des CIA erst gegen den Einfluss der Sowjet¬union und der von der KP Afghanistans (Chalk) ge¬stellten Regie-rung aufgebaut wurden. Diese über¬nahm 1978 die Regierung nach Sturz des Diktators General Daoud, der sich gegen den nach Ende der britischen Koloni-alherrschaft eingesetzten König an die Macht geputscht hatte, durch fortschrittliche Mili¬tärs. Gerne wird auch verschwiegen, dass es unter der neuen Regierung 1980 in der Universität von Ka¬bul prozentual mehr weibliche Lehrkräfte als an deut¬schen Universitäten gab, und dass die ersten Opfer der Mudjahedin Ärztinnen und Lehrerinnen waren, die sich im Auftrag der Regierung auf dem Land für Frauen und Mäd-chenrechte einsetzten……
Die Geschichte Afghanistan, die völker-rechtswidrigen Angriffskriege gegen Irak und Lybien zeigen: Weder die fundamentalistische Kräfte, wie ZB. Taliban oder IS, noch imperia-listische militärische Interventionen und die eingesetzten korrupten Regime sind eine Per-spektive für die Bevölkerung.
Trotz massiver Repression zeigt sich in Af-ghanistan erster Widerstand gegen die Talibanherrschaft, der insbesondere von Frauen getragen wird. eDiesn gehört unsere Solidarität.
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Montag, den 30.8.2021 – aus aktuellem Anlass Info- und Diskussionsabend Afghanistan
von IL Karlsruhe und AKI Karlsruhe, 19.30 Uhr
im Roten Stern, Steinstr.23, (Gewerbehof) 2.OG, Karlsruhe
Wer Interesse an Infos oder Mitarbeit hat: Kontakt:
- Antirassistische Initiative Grenzenlos Karlsruhe – (antira@soli-karlsruhe.de)
- Interventionistische Linke KA – il-karlsruhe@riseup.net, www.ilkarlsruhe.blogsport.de
- Aktionskreis Internationalismus Karlsruhe (AKI Karlsruhe) – info@aki-karlsruhe.de