Update – Protestaktion – Karlsruher_innen für den Erhalt des Hambacher Forstes

Am Sonntag nachmittag den 30.9.2018 haben 50 bis 100 Klimaaktivist_innen am Turm des Karlsruher Schlosses ein großes Banner mit der Aufschrift „Hambi bleibt“ angebracht, um gegen den Abriss der Baumhäuser und die Rodung des Hambacher Forstes zu protestieren.
Sie folgten damit am dezentralen Aktionstag zum Schutz des Hambacher Forstes dem museumspädagogischen Aufruf „Revolution für Anfänger_innen“, der mit der derzeit im Schloss zu sehenden „Revolutionsausstellung“ verbunden ist und bei dem die Museumsbesucher_innen interaktiv in die Ausstellung mit einbezogen werden sollen. Umso unverständlicher war es dann, dass die Ausstellungsmacher_innen das Banner nach 10 Minuten wieder entfernen ließen, obwohl die kreative Aktion ja eigentlich genau ihrem Konzept entsprach….
„Freuen wir uns nicht so sehr über unsere kleinen Siege über die Natur – für jeden dieser „Siege“ rächt sie sich an uns.“ (Friedrich Engels 1876)

Pressemitteilung
Darf eine Flagge für den Erhalt des Hambacher Forstes kein Bestandteil der Revolutions-
Ausstellung im Karlsruher Schloss sein?
Dies fragten sich am Sonntagnachmittag, dem 30.9.2018, 50 bis 100 Klimaaktivist*innen, die am Turm des Karlsruher Schlosses ein großes Banner mit der Aufschrift „Hambi bleibt“ angebracht hatten, um gegen die Rodung des Hambacher Forstes und den Abriss der darin befindlichen Baumhäuser zu protestieren.
Sie folgten damit am dezentralen Aktionstag zum Schutz des Hambacher Forstes dem museumspädagogi-schen Aufruf „Revolution für Anfänger*innen“, bei dem die Museumsbesucher*innen interaktiv in die Aus-stellung mit einbezogen werden sollen. Dieser ist Bestandteil des Konzepts der Ausstellung “Revolution!” des Badischen Landesmuseums, die zur Zeit im Schloss zu sehen ist. Während einige Mitarbeiter*innen des Museums die Performance begrüßten, schien die Aktion anderen Angestellten wohl doch ein wenig zu „revolutionär“ zu sein. Das hoch oben angebrachte und somit weithin sichtbare Banner wurde zügig wieder entfernt.
Es ist völlig unverständlich, dass Mitarbeiter des Badischen Landesmuseums das Banner nach wenigen Minuten wieder entfernen ließen und die Polizei riefen, obwohl die kreative Aktion ja eigentlich genau ihrem Konzept entspricht: Im Text zur Ausstellung auf der Webseite des Badischen Landesmuseums heißt es am Ende: „Wo begegnet dir Revolution im Alltag? Mach ein Foto und poste es auf Instagram“ (http://revolution.landesmuseum.de/#7). Wie dem beiliegenden Foto zu entnehmen ist, sind junge Karlsru¬her Klimaschützer*innen lediglich diesem Aufruf gefolgt und haben ein Banner am Schlossturm und an den Bäumen im Schlossgarten aufgehängt.
Außerdem weigerten sich Mitarbeiter des Landesmuseums, das abgehängte Banner wieder auszuhändi¬gen. Als kleine „Wiedergutmachung“ wäre es sicher angebracht, dass die Museumsleitung bzw. die Orga-nisator*innen der Ausstellung sich dafür einsetzen, die sichergestellten Banner wieder auszuhändigen.
Warum dann auch noch fast zwei Stunden später 8 Polizeieinsatzfahrzeuge mit einem Polizeihund in den Schlossgarten einfuhren und die Personalien von zwölf Menschen aufnahmen, die zufällig in der Nähe der Transparente im Schlossgarten auf dem Boden saßen (wie viele andere auch) und Gitarre spielten, ist kaum nachvollziehbar. Zumal dabei die in den Bäumen hängenden Banner nicht beanstandet wurden. Al¬lerdings erweckte das Polizeigroßaufgebot bei den anderen Schlossgartenbesucher*innen den Eindruck, dass die friedlich auf der Wiese sitzenden jungen Menschen, denen der Schutz von Umwelt und Klima am Herzen liegt, hoch gefährlich seien…
Bürgerlicher Widerstand ist in Baden tief verankert, wie die aktuelle Ausstellung im Karlsruher Schloss zeigt. Doch Widerstand gegen Ungerechtigkeit ist nicht nur ein Thema der Vergangenheit: Heute ist es mehr denn je notwendig, sich für eine klimagerechte Welt einzusetzen. Der Klimawandel hat im Globalen Süden schon jetzt katastrophale Auswirkungen, obwohl die meisten Emissionen in den Industrienationen entstehen. Trotzdem soll der Hambacher Wald weiterhin für die Verbrennung von Braunkohle, dem klima¬schädlichsten Energieträger, gerodet werden. Kohlekraft ist für 40% des deutschen CO2-Ausstoßes ver¬antwortlich. Durch Braunkohletagebau wird das Grundwasser weitreichend abgesenkt und Fließgewässer kontaminiert. Allein die Kosten durch Luftverschmutzung der Braunkohlekraftwerke des Energiekonzerns RWE beziffern sich auf rund 3,7 Mrd. €/a.
Bei vielen ist die Erkenntnis gereift, dass es so nicht weitergehen kann. Deswegen widersetzten sich Men-schen im Hambacher Forst der Abholzung des Waldes. „Wer heute noch einen 12.000 Jahre alten Wald roden will, um die darunter liegende Braunkohle zu fördern, zerstört die Lebensgrundlage von uns allen,“ sagt Simone M., „mit der Rodung kann niemand gewinnen.“ Das Schicksal des Hambacher Forstes betrifft uns alle. Der Konflikt wird sich in den nächsten Wochen wahrscheinlich weiter zuspitzen. Am nächsten Samstag, dem 6. Oktober, findet eine große Demonstration im Hambacher Forst statt, bei der auch Karlsruher*innen Flagge für eine klimagerechte Welt zeigen werden.
Klimaaktivist*innen aus Karlsruhe -