Feministischer Auruf gegen TddZ 2017

no TddZ – Keine Zukunft für RassistInnen und AntifeministInnen – Frauen auf die Barrikaden
Wenn Neonazis in Karlsruhe am 3.Juni unter dem Motto „Tag der deutschen Zukunft“ demonstrieren wollen um ihre rassistischen und frauenverachtenden Parolen zu verbreiten, werden wir dies nicht hinnehmen. Wir werden uns diesem Naziaufmarsch entschlossen und mutig entgegenzustellen um ihn gemeinsam mit vielen anderen zu verhindern.
Antifeminismus ist neben Rassismus und Nationalismus das dritte wesentliche Standbein aller Rechtspopulisten und Neonazis, egal ob AfD, NPD oder die Partei „Die Rechte“, die Organisatorin des Naziaufmarsches am 3.Juni ist. Antifeminismus gehört zu den grundlegenden, sinnstiftenden Punkten rechter Ideologie und ist für breite gesellschaftliche Männerkreise anschlussfähig. Dabei geht es ihnen nicht nur um die Propagierung eines rückwärtsgewandten und reaktionären Familienbildes, sondern um eine Kampfansage an alle emanzipatorischen Vorstellungen von Frauenleben, wirklicher Gleichberechtigung und der Vielfalt der Lebensformen. Sie stellen sich letztlich eine Gesellschaft vor, in der alle feministisch erkämpften Errungenschaften der letzten Jahrzehnte wieder zurückgenommen werden. Reaktionäre Männerträume sollen danach endlich gesellschaftliche Realität werden. Wir werden alles tun um ihnen diese Träume zu zerstören!
Der Antifeminismus der Rechten ist eng verbunden mit Rassismus und Nationalismus und bedingt und verstärkt sich gegenseitig. Da wird von Überfremdung und Auslöschung der „deutschen Identität“ und Aussterben des „deutschen Volkes“ geschwafelt. Dies führt dann zur Forderung an die „deutsche Frau“ ihren Dienst für das Vaterland zu leisten und wieder mehr Kinder zu bekommen. Um dieses Ziel zu erreichen will die Partei „Die Rechte“ wieder eine Gebärprämie einführen. Zu deren programmatischen Forderungen gehört in diesem Zusammenhang u.a. die Einführung eines zinslosen Ehestandsdarlehens von 20.000 Euro. Die Frauen können dies dann mit Geburten „abarbeiten“. Für jedes „volksdeutsche“ Kind sollen 5.000.-Euro in Anrechnung gebracht werden. Bei vier Kindern ist das Darle¬hen dann abbezahlt.
Frauen, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden werden als Mörderinnen diffamiert. „Trotz der dramatischen demografischen Entwicklung werden jährlich noch immer hunderttausende Kinder im Mutterleib durch Abtreibung getötet“, so der Orginalton des Parteiprogramms der Partei „Die Rechte“. Gegen den angeblichen „Kinderholokaust“ wird dann jährlich im September in Berlin im Verbund mit anderen Nazis und reaktionären selbster-nannten Lebensschützern beim „Marsch für das Leben“ gehetzt und die massive Verschärfung des §218 gefordert. Den Frauen wird damit das Selbstbestimmungsrecht abgesprochen, zu entscheiden, ob sie Kinder wollen oder nicht.
Besonders dreist wird es, wenn sich die rechte Männerfraktion als Beschützer der „deutschen Frauen“ aufschwingt und die angebliche Sorge für die Opfer sexualisierter Gewalt rassistisch aufladen. Im Aufruf zum „Tag der deutschen Zukunft“ wird offen gegen Geflüchtete und MigrantInnen gehetzt, diese als besonders kriminell dargestellt und ihnen eine besondere Bereitschaft zu Verge-waltigungen unterstellt. Im Aufruf wird dann die Behauptung aufgestellt: „Deutsche Frauen trauen sich in Großstädten nachts oft nicht mehr alleine auf die Straße, ihre männlichen Begleiter werden krankenhausreif geprügelt, wenn sie sie verteidigen wollen“. Wir Frauen wollen und brauchen keinen „Schutz“ von Faschisten und Rassisten und lassen uns auch für rassistische Kampagnen nicht instrumentalisieren! Täter han¬deln aus Männerchauvinismus und Frauenverachtung, nicht weil sie der einen oder anderen Nationalität angehören. Sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist Alltag in allen Ländern der Welt. Vergewaltigung, Verstümmelung und Versklavung von Frauen sind in den aktuellen Kriegsgebieten und ausgeübt von allen Kriegsparteien grausame Realität.
Gewalt gegen Frauen ist auch in der BRD ein gesellschaftliches Dauerproblem und wurde vor allem durch den kontinuierlichen Kampf der Frauenbewegung öffentlich thematisiert. Unzählige Frauen werden jährlich traumatisiert, körperlich verletzt oder bezahlen die Übergriffe mit ihrem Leben. Über 80% der Täter stammt aus dem familiären Bereich und engem Umfeld. Fast die Hälfte aller Frauen ist von frauenspezifischer Gewalt in ihrem Leben betroffen. Das Patriarchat hält sich nicht zuletzt auch mit dem Unterdrückungsinstrument der Angst vor Gewalterfahrung an der Macht. Es ist einfach lächerlich, wenn gerade diejenigen die ansonsten sexualisierte Gewalt als Bagatelle abtun, bei jedem frauenverachtenden Witz lautstark mitlachen und sich beim Kegelausflug den gemeinsamen Gang ins Bordell gönnen nun als Beschützer aufspielen wollen. Wir bekämpfen jede Gewalt ge-genüber Frauen, egal von wem sie ausgeht und auch unabhängig davon, welchen Pass die Betroffenen haben. Die Gewalt gegen Frauen jeder Haut¬farbe durch Täter jeder Hautfarbe muss gestoppt werden. Wir verwahren uns dagegen, dass unsere Frauenrechte und unser Recht auf ein Leben ohne Angst vor gewaltsamen Übergriffen für rassistische Propaganda missbraucht werden. Unser Feminismus ist und bleibt antirassistisch.
Der Kampf gegen Antifeminismus, Rassismus und Nationalismus gehört für uns zusammen. Alles zu tun um den Naziaufmarsch am 3.Juni in Karlsruhe zu verhindern ist Teil unsers Kampfes für Frauenbefreiung, globale Bewegungsfreiheit und ein gutes Leben für alle. Unsere Zukunft:
Grenzenlos feministisch, grenzenlos solidarisch
Frauen gegen Rechts: Frauenbündnis 8.März, Feministisches Kollektiv, Laut.Lila.Links, Interventionistische Linke – IL Karlsruhe, DIE LINKE – Karlsruhe