Massensterben von Geflüchteten im Mittelmeer könnte bereits morgen beendet sein

Bericht des AntiRa AK von Protestaktion und Veranstaltung zu den Folgen der Flüchtlingsabwehr an den Außengrenzen der EU am 13.6.2016 in Karlsruhe.
Die Zahlen werden immer dramatischer: Die Flucht übers Mittelmeer endet für viele Menschen mit dem Tod.10.000 Flüchtlinge sind seit 2014 im Mittelmeer ertrunken. Das teilte das UN- Flüchtlingshilfswerk UNHCR am 7.6.2016 in Genf mit. Allein von Januar bis Mai 2016 starben schon 2814 Menschen. Die Zahl sei „schrecklich“, sagte der Sprecher des UNHCR. Die inoffiziellen Zahlen dürften aber noch weit höher sein! Gegen die Folgen der unmenschlichen EU-Politik gegen Geflüchtete gab es deshalb am 13.6.2016 auch in Karlsruhe Protest. Ein Bündnis aus AntiRa Ak, AKI Karlsruhe, Aktion Kollektiv Theatral, Flüchtlingsrat Baden-Württemberg, IL Karlsruhe hatte in Zusammenarbeit mit dem Jubez zu einer Diskussionsveranstaltung: Umkämpftes Mittelmeer – zur Situation an den EU-Außengrenzen ins Jubez eingeladen und dazu Father Mussie Zerai von L’Agenzia Habeshia sowie Marion Bayer und Hagen Kopp vom WatchTheMed Alarm Phone als kompetente Referent_innen gewonnen.
Father Mussie Zerai hat vor über 10 Jahren in Italien die Solidaritätsinitiative „L‘Agenzia Habeshia“ gegründet und ist seitdem als „die Telefonnummer“ für Seenotfälle insbesondere der eritreischen Geflüchteten bekannt. Mit seinem großen persönlichen Einsatz hat er Tausenden von Bootsflüchtlingen zwischen Libyen und Italien das Leben gerettet. Er berichtete eindringlich über seine Erfahrungen über die tödlichen Gefahren für Geflüchtete im Mitelmeer und forderte legale Möglichkeiten der Migration, um das Massensterben im Mittelmmeer endlich zu stoppen.
Marion Bayer und Hagen Kopp sind bei „kein mensch ist illegal“ in Hanau aktiv und haben – inspiriert von Father Zerai – im Oktober 2014 das Alarm Phone für Geflüchtete und MigrantInnen in Seenot mit aufgebaut. Seit Sommer 2015 hat das Hotline-Projekt über 1200 Notrufe allein aus der Ägäis erhalten. Sie wiesen daraufhin, dass das Massensterben im Mittelmeer bereits morgen beendet sein könnte, wenn die Geflüchteten Tickets für die normalen Fähren erwerben könnten.
Auf der Veranstaltung gab es Einblicke in die aktuelle Situation am Mittelmeer, die Anwesenden erörterten die Hintergründe von Flucht und Migration und stellten anstehende Mobilisierungen gegen das EU-Grenzregime vor.
Die Anwesenden waren sich einig, dass alle militärischen Abwehrmaßnahmen, das Schließen von Grenzen und immer höhere und längere Natodrahtzäune die Menschen nicht werden abhalten können sondern nur zu immer gefährlicheren Fluchtrouten zwingen und in die Arme immer skrupelloserer Schlepper treiben.
Anstatt Milliarden in die Flüchtlingsabwehr zu stecken sollte dieses Geld lieber zur Untestützung der Geflüchteten eingesetzt werden. Es wurde die Forderung „Fähren statt Frontex“ unterstützt, da nur legale Migrationsmöglichkeiten das Sterben an den Außengrenzen der EU stoppen kann.
Zehntausende Menschen sind auf der Flucht vor Krieg, Armut, politischer Verfolgung, Sexismus, ökologischen Katastrophen oder den sozialen Folgen der aufgezwungenen Freihandelsabkommen. Sie haben sich auf einen lebensgefährlichen Weg begeben, haben sich den Militärs an den Grenzen widersetzt und sich auch vom Stacheldraht oder dem möglichen Tod bei der Überfahrt übers Mittelmeer nicht abhalten lassen. Dies macht uns auf sehr dramatische Weise deutlich, dass wir Position beziehen müssen zu den Fluchtursachen, wie z.B. zur Ausplünderung der Länder des Südens, zu den Folgen der Kriegspolitik, den negativen Auswirkung der Freihandelabkommen, der ungleichen Verteilung des Reichtums. Viele Geflüchtete tragen Transparente: „Wir sind hier weil ihr unsere Länder zerstört.“ Dies ist der Kern des Problems und fordert unser konkretes Handeln.
Solange die Ursachen nicht beseitigt sind, die Menschen zur Flucht zwingen, werden sie trotz noch besser gesicherter Grenzen, neuer und noch höherer Zäune und aller Abschottungsbemühungen hier ankommen. Dies ist ihr gutes Recht. Sie alle haben Anspruch auf ein gesichertes Bleiberecht, das Recht auf ein gutes Leben, wie wir es für alle gemeinsam erkämpfen müssen. Doch anstatt die Ursachen für die sichtbaren Katastrophen einer Politik, die sich nach den Interessen des Profits und nicht nach denen der Menschen richtet auch nur ansatzweise zu verändern, werden neue Formen von Apartheit, neue Mauern und neue Slums geschaffen.
Die Anwesenden waren sich einig, dass wir die Bevölkerung für die untragbare Situation der Geflüchteten an den Außengrenzen der EU sensibilisieren und Druck auf die Verantwortlichen in Deutschland entfalten müssen, endlich legale Migrationsmöglichkeiten zuschaffen und dass dies erst der Auftakt zu weiteren Aktionen sein kann.
Bereits vor der Veranstaltung hatten das AKT mit Unterstützung von Aktivistinnen des Bündnisses in der Nähe des Veranstaltungsortes eine Installation mit einem Stacheldrahtzaun aufgebaut um auf die unmenschlichen Maßnahmen der Flüchtlingsabwehr, das Sterben an den Außengrenzen und auf die Veranstaltung dazu aufmerksam zu machen.
Kontakt: AntiRa Ak c/o, info@aki-karlsruhe.de il-karlsruhe@riseup.net
Infos: http://www.watchthemed.net/ und https://alarmphone.org
In case of emergency call +334 86 51 71 61