Kein Nazi-Aufmarsch am 23.2. in Pforzheim und auch nicht anderswo!

Gemeinsame Zugfahrt ab Karlsruhe – Sonntag, 23.02. um 15.00 Uhr – Gleis 10 – HBF Karlsruhe
Am 23. Februar 2014 wollen erneut Neonazis auf den Wartberg in Pforzheim ziehen. Veranstalter
ist der neofaschistische „Freundeskreis ein Herz für Deutschland“.
Seit fast 20 Jahren nehmen Nazis den 23. Februar zum Anlass, um „deutsche Opfer“ des 2. Weltkrieges zu glorifizieren und mystifizieren. Auf diese Weise versuchen die Nazis die Geschichte für ihre Zwecke zu verdrehen. So werden die Verbrechen des deutschen Faschismus ausgeblendet und die Alliierten zu Tätern umgelogen. Im letzten Jahr gelang es, die Proteste unmittelbar an die Mahnwache der Nazis zu tragen, welche dadurch erheblich in ihrer Durchführung gestört werden konnte.
Gemeinsam wollen wir auch dieses Jahr versuchen, uns den Nazis in den Weg zu stellen – es gibt kein Recht auf Nazipropaganda!

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23.Februar: Der Berg ruft — Frei­burg goes Pforzheim
Infos: Mobi-Seite: www.nonazis23feb.tk

Am 23. Februar ver­an­stal­tet der faschis­ti­sche “Freun­des­kreis Ein Herz für Deutsch­land” eine “Fackel-Mahnwache” auf dem Pforz­hei­mer Wart­berg.
Seit rund 20 Jah­ren neh­men die Nazis die Bom­bar­de­ments auf Pforz­heim am 23. Februar 1945 zum Anlass, um den deut­schen Faschis­mus zu glo­ri­fi­zie­ren. Bei die­ser und ande­ren Ver­an­stal­tun­gen im gesam­ten Bun­des­ge­biet tre­ten die Nazis für ein Geschichts­bild ein, das von dem mör­de­ri­schen Ver­bre­chen des deut­schen Faschis­mus ablenkt und statt­des­sen die mili­tä­ri­schen Kon­tra­hen­ten der Faschis­ten zu den eigent­li­chen Tätern umlügt. Und wie jedes Jahr ist es wich­tig in Pforz­heim die­ser Ver­dre­hung der Geschichte ent­ge­gen­zu­tre­ten. Letz­tes Jahr konnte der Auf­marsch, der einer der größ­ten regel­mä­ßig statt­fin­den­den Auf­mär­sche in Baden-Württemberg ist, nach inten­si­ver Mobi­li­sie­rung erst­mals zumin­dest ein­ge­schränkt werden.
Auch die­ses Jahr wird es aus Frei­burg wie­der eine gemein­same Anreise geben:
Zug­treff­punkt Frei­burg Haupt­bahn­hof Gleis 2
So. 23.02.2014 — 12.45 Uhr [Abfahrt: 13.07 Uhr]
21.02. Info Kneipe — letzte Infos für den 23.02 — Lin­kes Zen­trum ¡adelante! ab 20 Uhr
Alle Infos zur Lage vor Ort etc gibts auch auf der Mobi-Seite: www.nonazis23feb.tk
Wir wol­len an die­ser Stelle noch einen Auf­ruf doku­men­tie­ren, den wir unterstützen:
Der Ver­dre­hung der Geschichte ein Ende set­zen. In Pforz­heim und anderswo!
Am 23. Februar 1945 wurde die Stadt Pforz­heim groß­flä­chig von der bri­ti­schen „Royal Air Force“ bom­bar­diert. Dem Angriff auf die Innen­stadt fie­len über 17.000 Men­schen zum Opfer, unter ihnen viele Zwangs­ar­bei­te­rIn­nen, die in der Rüs­tungs­in­dus­trie ein­ge­setzt wur­den. Etwa 80 % des Stadt­ge­biets wur­den durch Brand– und Spreng­bom­ben inner­halb von etwa 20 Minu­ten zerstört.
Wie in den Jah­ren zuvor, rufen auch in die­sem Jahr Faschis­ten und Deutsch­na­tio­nale aus meh­re­ren Tei­len Süd­deutsch­lands am 23. Februar zu einer Kund­ge­bung auf dem Wart­berg am Rande der Stadt gele­gen auf. Dabei ver­klä­ren sie nicht nur die Geschichte und die dama­li­gen Ver­hält­nisse, son­dern sie ver­harm­lo­sen oder ver­leug­nen sogar die Ver­bre­chen des deut­schen Faschis­mus von 1933 bis 1945. Das wird auch daran deut­lich, dass sie aus­schließ­lich den deut­schen Opfern geden­ken und im glei­chen Atem­zug ihre natio­na­lis­ti­sche und reak­tio­näre Ein­sei­tig­keit als rich­tig dar­stel­len wol­len. Mit dem Beginn ihrer Kund­ge­bung, zur Uhr­zeit der Bom­bar­die­rung, um 19:47 Uhr und dem Ent­zün­den von Fackeln, ver­su­chen sie den Auf­marsch fei­er­lich zu inszenieren.
Seit 1994 gibt es den Auf­marsch, seit 2002 die anti­fa­schis­ti­schen Pro­teste dage­gen. In besag­tem Jahr gelang es das erste und bis­her ein­zige Mal den Auf­marsch zu ver­hin­dern. Im letz­ten Jahr erreich­ten es knapp 1000 Anti­fa­schis­tin­nen und Anti­fa­schis­ten, gemein­sam mit einer Spontan­de­mons­tra­tion auf den Wart­berg zu kom­men. Erst wenige Meter vor der Kund­ge­bung der Faschis­ten schaffte es die Poli­zei durch ein mas­si­ves Auf­ge­bot, uns zu stop­pen, um so den Nazis ihr Ritual zu ermög­li­chen. Im Zuge des­sen wur­den hun­derte Anti­fa­schis­tIn­nen stun­den­lang – bei Minus­gra­den – ein­ge­kes­selt. Durch die Pro­teste im letz­ten Jahr erreich­ten viele Faschis­ten den Kund­ge­bungs­ort nicht, andere wie­derum harr­ten bereits seit dem Mit­tag auf dem Wart­berg in ihren Autos aus.
Auch 2014 rufen wir dazu auf, sich gegen den Nazi­auf­marsch kon­kret zur Wehr zu set­zen und mög­lichst viele Men­schen über den reak­tio­nä­ren und faschis­ti­schen Cha­rak­ter die­ser Form des „Geden­kens“ auf­zu­klä­ren!

Die Geschichte des deut­schen Faschis­mus ins rechte Licht gerückt
Nicht nur in Pforz­heim ver­su­chen Faschis­ten durch die Ver­dre­hung der Geschichte Anknüp­fungs­punkte für ihr brau­nes Gedan­ken­gut zu fin­den, son­dern auch in vie­len ande­ren Städ­ten und Regio­nen der Bun­des­re­pu­blik. Die faschis­ti­sche und deutsch­na­tio­nale Bewe­gung beschäf­tigt sich heute an vie­len Orten mit Aus­wir­kun­gen des Zwei­ten Welt­krie­ges, um letzt­lich immer eines zu sagen: Die Alli­ier­ten waren das Haupt­pro­blem und die Deut­schen waren hilf­lose Opfer der grau­sa­men spä­te­ren alli­ier­ten Besatzer.
So ver­su­chen Orga­ni­sa­tio­nen der extre­men Rech­ten, Ereig­nisse aus dem Zwei­ten Welt­krieg umzu­deu­ten, indem sie Lügen ver­brei­ten, Fak­ten ver­dre­hen, Tat­sa­chen bewusst igno­rie­ren oder weg­las­sen und schließ­lich Deutsch­land als Opfer aus­län­di­scher Aggres­sio­nen dar­stel­len. Durch das bewusste Auf­grei­fen natio­na­lis­ti­scher und ras­sis­ti­scher Stim­mun­gen und Res­sen­ti­ments wird sich erhofft, Kon­takte in bür­ger­li­che Kreise auf­zu­bauen, was ihnen man­cher­orts lei­der auch hin und wie­der gelingt.
In Mag­de­burg oder Dres­den…
Auch in Mag­de­burg und Dres­den rufen Nazis am Jah­res­tag der Bom­bar­die­run­gen durch die Alli­ier­ten zu soge­nann­ten Trau­er­mär­schen und Kund­ge­bun­gen auf. Dabei spre­chen sie von einem angeb­li­chen „Bom­ben­ho­lo­caust“ bzw. von „Ter­ror­an­grif­fen“ und geden­ken aus­schließ­lich den deut­schen Opfern. Die­sen Auf­ru­fen folg­ten teil­weise meh­rere tau­send Faschis­ten. Den vom faschis­ti­schen Deutsch­land begon­nen bru­ta­len Aggres­si­ons– und Expan­si­ons­krieg, die Dro­hung eng­li­sche Städte aus­zu­ra­die­ren und die mas­si­ven flä­chen­de­cken­den Bom­ben­an­griffe auf Eng­land am Anfang des Krie­ges ver­schwei­gen sie natür­lich. Ebenso ver­ges­sen sie, dass Flä­chen­bom­bar­de­ments – gerade auf die Zivil­be­völ­ke­rung – als Kriegs­stra­te­gie durch die impe­ria­lis­ti­sche deut­sche Regie­rung mit dem „klei­nen Bru­der“ Ita­lien zusam­men ent­wi­ckelt und eta­bliert wurden.
Was 1937 in Guer­nica in Spa­nien durch die „Legion Con­dor“ begann, setzte sich in der bri­ti­schen Stadt Coven­try fort. Diese Kriegs­ver­bre­chen waren fes­ter Bestand­teil deut­scher Kriegs­füh­rung in unzäh­li­gen wei­te­ren Län­dern. Das legi­ti­miert die Flä­chen­bom­bar­die­rung Pforz­heims natür­lich nicht, gehört jedoch zum geschicht­li­chen Kontext.
…Memprechts­ho­fen.…
In Rheinau-Memprechtshofen in der Ortenau fin­den seit den 60er Jah­ren auch immer wie­der Auf­mär­sche von Faschis­ten statt. Hin­ter­grund ist: Am 14. April 1945 ver­schanz­ten sich Teile von ver­schie­de­nen deut­schen Ein­hei­ten auf Wehr­machts­be­fehl in einem Pan­zer­gra­ben und ver­such­ten die­sen gegen die vor­rü­cken­den fran­zö­si­schen Trup­pen zu ver­tei­di­gen. Auf fran­zö­si­scher Seite gab es 49, auf deut­scher Seite über 20 Tote und etli­che Sol­da­ten, die in Gefan­gen­schaft gerie­ten. Diese mili­tä­ri­sche Kamikaze-Aktion ver­su­chen Nazis bis heute als hel­den­haf­ten Wider­stand und Opfer­mut zu glo­ri­fi­zie­ren und ver­an­stal­ten daher seit 2011 jedes Jahr ein soge­nann­tes „Hel­den­ge­den­ken“. An vie­len ande­ren Orten in Süd­deutsch­land gibt es eben­falls sol­che oder ähnli­che Aktio­nen zu ver­schie­de­nen Anlässen.
…Rema­gen…
Ein wei­te­res Bei­spiel für den Geschichts­re­vi­sio­nis­mus der extre­men Rech­ten sind die regel­mä­ßig statt­fin­den­den Auf­mär­sche zu den Rhein­wie­sen­la­gern in der Nähe von Rema­gen. Im März 1945 rich­tete das ame­ri­ka­ni­sche Mili­tär im Rhein­land knapp 20 Lager für Kriegs­ge­fan­gene ein. Sie dien­ten als Sam­mel– und Durch­gangs­la­ger für gefan­gene deut­sche Sol­da­ten wäh­rend des Krie­ges und kurz danach. Ein Groß­teil der dort inhaf­tier­ten deut­schen Sol­da­ten wurde bis Sep­tem­ber 1945 ent­las­sen oder auf andere Lager ver­teilt. In Bezug auf die Lager reden Nazis aus der NPD und freien Kame­rad­schaf­ten von „US-KZ’s“, in denen sys­te­ma­tisch Deut­sche ermor­det wor­den seien. Sie spre­chen dabei von bis zu einer Mil­lion Toten. Aller­dings ent­sprach die gesamte Anzahl inhaf­tier­ter Sol­da­ten in den Lagern einer Mil­lion, wovon 5.000 bis 10.000 Men­schen umge­kom­men sind.
Steil­vor­la­gen für ihre Umdeu­tung der Geschichte fin­den die Faschis­ten in den Arbei­ten vor­geb­lich seriö­ser His­to­ri­ke­rIn­nen, die zum Bei­spiel im Zusam­men­hang der Bom­bar­die­rung deut­scher Städte völ­lig über­trie­bene Opfer­zah­len nen­nen. Oder etwa die Behaup­tung auf­stel­len, die deut­sche Wehr­macht wäre mit ihrem Feld­zug im Osten, also dem Über­fall auf die Sowjet­union, ledig­lich einem Angriff der Roten Armee zuvor­ge­kom­men. Auch die Posi­tio­nen der Ver­trie­be­nen­ver­bände, wie bei­spiels­weise der „Sude­ten­deut­schen Lands­mann­schaft“, bie­ten für die extreme Rechte viel­fäl­tige Anknüp­fungs­punkte und sind ein guter Nähr­bo­den für Geschichts­re­vi­sio­nis­mus und aggres­si­ven Natio­na­lis­mus. Sie set­zen geflüch­tete und ver­trie­bene Deut­sche mit Betrof­fe­nen von Kon­zen­tra­ti­ons– und Ver­nich­tungs­la­gern oder Betrof­fe­nen der „Ver­brann­ten Erde“-Politik der Wehr­macht in der Sowjet­union gleich. Damit fin­det sowohl eine zah­len­mä­ßige Rela­ti­vie­rung als auch eine qua­li­ta­tive Ver­harm­lo­sung statt. Teile der sog. Ver­trie­be­nen­ver­bände for­dern bis heute eine Revi­sion der Gren­zen, also eine „Rück­gabe“ von Gebie­ten des heu­ti­gen Polens und Tsche­chi­ens an Deutschland.
Vie­ler­orts ist der „Volks­trau­er­tag“ im Novem­ber und die unzäh­li­gen alten Kriegs­denk­mä­ler aus dem Ers­ten Welt­krieg eben­falls ein will­kom­me­nes ideo­lo­gi­sches Fut­ter. Auf den Tafeln der Denk­mä­ler wird zumeist an die „auf dem Feld der Ehre für Volk und Vater­land gefal­le­nen hel­den­haf­ten deut­schen Sol­da­ten“ des Ers­ten und Zwei­ten Welt­kriegs erin­nert. Die Gründe für diese Kriege und die Rolle des deut­schen Rei­ches, als den zwei­ma­li­gen Hauptaggressor sowie die began­ge­nen Grau­sam­kei­ten an ande­ren Bevöl­ke­run­gen wer­den dabei sys­te­ma­tisch außer Acht gelassen.
Nicht nur die fal­sche Ein­ord­nung ein­zel­ner Ereig­nisse in inter­na­tio­nale wirt­schaft­li­che, mili­tä­ri­sche und gesell­schaft­li­che Zusam­men­hänge zeich­nen den Geschichts­re­vi­sio­nis­mus der Rech­ten und Faschis­ten aus, son­dern auch eine ein­sei­tige selbst­be­zo­gene, natio­na­lis­ti­sche und oft­mals sogar ras­sis­ti­sche Betrachtungsweise.
…und in Pforz­heim.
Die Bom­bar­die­rung zehn Wochen vor Kriegs­ende war Teil der bri­ti­schen Mili­tär­stra­te­gie, nächt­li­che Flä­chen­bom­bar­de­ments auf Innen­städte zu flie­gen und durch unzäh­lige Tote eine „Demo­ra­li­sie­rung“ der Bevöl­ke­rung zu errei­chen, anstatt gezielt mili­tä­ri­sche und wirt­schaft­li­che Ziele zu zer­stö­ren. Es ist kein Geheim­nis, dass die west­li­chen Alli­ier­ten an einer mög­lichst lan­gen Auf­rei­bung der sozia­lis­ti­schen Sowjet­union inter­es­siert waren und die­ses Inter­esse auch in Pforz­heim umsetz­ten, indem sie grö­ßere Indus­trie­an­la­gen außer­halb der Stadt nicht angrif­fen. Auch für uns sind die Ereig­nisse in Pforz­heim am 23. Februar 1945 kein Grund zum Feiern.
In der Stadt Pforz­heim ver­sucht der rechte „Freun­des­kreis — Ein Herz für Deutsch­land“ (FHD) die geschicht­li­chen Ereig­nisse für sich zu nut­zen. Hier­bei geben sich die füh­ren­den Akteure des FHD nach außen bie­der und eher kon­ser­va­tiv, sie ver­zich­ten auf offen faschis­ti­sche Paro­len und ver­su­chen, ihre Auf­rufe rund um die Bom­bar­die­rung der Stadt seriös und wis­sen­schaft­lich erschei­nen zu erlas­sen und sie sehen sich als große Vor­kämp­fer gegen die ver­hasste „Poli­ti­sche Kor­rekt­heit“. Am 23. Februar ver­su­chen sie in ers­ter Linie, das Datum der Bom­bar­die­rung zur Ver­brei­tung ihrer faschis­ti­schen Ideo­lo­gie zu instrumentalisieren.
Wie weit rechts der FHD jedoch wirk­lich steht und was er mit sei­nen Akti­vi­tä­ten rund um das Datum der Bom­bar­die­rung Pforz­heims bezwe­cken will, wird deut­lich, wenn man seine Akteure etwas genauer betrach­tet. Viele Mit­glie­der des „Freun­des­krei­ses“ sind auch in der NPD orga­ni­siert und unter­hal­ten enge Kon­takte zu regio­na­len Kame­rad­schaf­ten und gewalt­be­rei­ten Grup­pie­run­gen, die immer wie­der mili­tant auf­fal­len. Der FHD-Vorsitzende Sil­vio Covaglia bei­spiels­weise ist beken­nen­der Anti­se­mit, Ras­sist und Faschist und hat bun­des­weite Kon­takte in den brau­nen Sumpf.
Die Stadt Pforz­heim macht ihnen die Instru­men­ta­li­sie­rung und den Miss­brauch des Geden­kens nicht gerade beson­ders schwer. Auf den offi­zi­ell von der Stadt ange­brach­ten Ste­len und Gedenk­ta­feln wird ledig­lich auf die Ent­wick­lung der Indus­trie und die Bom­bar­die­rung der Stadt durch die Alli­ier­ten ein­ge­gan­gen. Von der Macht­über­gabe an die Faschis­ten ’33, den hohen Wahl­er­geb­nis­sen für die NSDAP sowie den von Deutsch­land begon­nen Krieg und von den unzäh­li­gen Ver­bre­chen der faschis­ti­schen Dik­ta­tur ist nichts zu lesen. Auch zu den tau­sen­den in der Pforz­hei­mer Rüs­tungs­in­dus­trie ein­ge­setz­ten Zwangs­ar­bei­te­rin­nen und Zwangs­ar­bei­tern fällt kein Wort.
Ihre Ableh­nung gegen­über dem Nazi­ge­den­ken begrün­dete die Stadt in den ver­gan­ge­nen Jah­ren damit, dass es sich bei den Nazis um Extre­mis­ten handle. Immer wie­der betont die Stadt Pforz­heim, dass sie sich gegen jede Art von poli­ti­schen Extre­mis­mus wende, egal ob von rechts oder links. Alleine das Auf­grei­fen der reak­tio­nä­ren, unwis­sen­schaft­li­chen Extre­mis­mus­theo­rie, die mitt­ler­weile auch Staats­dok­trin ist, spricht dabei für sich. Durch die Gleich­set­zung des lin­ken und rech­ten poli­ti­schen Lagers, ent­steht auf der einen Seite ein Klima und eine Hand­habe gegen fort­schritt­li­che linke Kräfte in der Gesell­schaft und auf der ande­ren Seite för­dert man so indi­rekt rechte und faschis­ti­sche Ten­den­zen. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren führte dies auch dazu, dass die Poli­zei den Auf­marsch der Faschis­ten, mit einem mas­si­ven Auf­ge­bot und Gewalt gegen­über anti­fa­schis­ti­schen Pro­tes­ten durch­set­zen konnte.
Wie so oft, müs­sen wir die Unter­bin­dung von Nazi-Propaganda und das Ver­hin­dern faschis­ti­scher Umtriebe selbst in die Hand neh­men. Wir kön­nen und dür­fen uns nicht auf Staat, Poli­zei und Gerichte ver­las­sen – diese sind oft­mals selbst Teil des Pro­blems. Egal ob bezahlte V-Leute in faschis­ti­schen Struk­tu­ren, bewuss­tes Weg­schauen, das Ver­schwei­gen von rech­ten Umtrie­ben oder das Ermög­li­chen faschis­ti­scher Auf­mär­sche durch rie­sige und bru­tale Poli­zei­ein­sätze – die kon­kre­ten Bei­spiele sind unzählig.
Es liegt an uns Anti­fa­schis­tin­nen und Anti­fa­schis­ten, sich zu orga­ni­sie­ren und zusam­men­zu­schlie­ßen, damit wir uns gegen die Gefahr von Rechts weh­ren kön­nen. Soli­da­risch, ent­schlos­sen und mit fort­schritt­li­chen Kon­zep­ten kön­nen wir gemein­sam faschis­ti­sche Pro­pa­ganda unter­bin­den und eine zeit­ge­mäße Theo­rie und Pra­xis ent­wi­ckeln, die unse­ren Ansprü­chen gerecht wird. Nur eine kämp­fe­ri­sche anti­fa­schis­ti­sche Bewe­gung wird auf län­gere Sicht stark genug sein, den Ein­fluss der rück­wärts­ge­wand­ten Kräfte in die­ser Gesell­schaft zurück­zu­drän­gen. Unser Ziel ist eine soli­da­ri­sche Gesell­schaft. Das bedeu­tet für uns vor allem, sich regio­nal und über­re­gio­nal zu orga­ni­sie­ren und mit mög­lichst vie­len, eine gemein­same Pra­xis und folg­lich auch eine Stärke zu entwickeln.
Wir wer­den auch in die­sem Jahr ver­su­chen, am 23. Februar den Nazi­auf­marsch in Pforz­heim am 69. Jah­res­tag der Bom­bar­die­rung zu ver­hin­dern! Dafür gibt es viel­fäl­tige Mit­tel und Her­an­ge­hens­wei­sen, denn oft­mals sind es die ver­schie­de­nen ein­zel­nen Akti­ons­for­men, die zusam­men zur Ver­hin­de­rung eines Nazi­auf­mar­sches füh­ren. Es spielt keine Rolle, ob es Blo­cka­den, spon­ta­nes Agie­ren und direkte Aktio­nen sind – die Nazis wer­den in Pforz­heim nicht unge­stört auf­mar­schie­ren können.
Den Faschis­ten am 23. Februar ent­ge­gen­tre­ten!
Gegen Geschichts­re­vi­sio­nis­mus und für eine auf­ge­klärte Gedenk­kul­tur!
Die Anti­fa­schis­ti­sche Aktion aufbauen!
Die­ser Auf­ruf wird her­aus­ge­ge­ben von:
Anti­fa­schis­ti­sche Linke Bühl-Achern
Anti­fa­schis­ti­sche Aktion Lör­rach
Anti­fa­schis­ti­sche Jugend Ludwigshafen/Mannheim
Anti­fa­schis­ti­sche Aktion (Auf­bau) Rastatt/Baden-Baden
Anti­fa­schis­ti­sche Aktion (Auf­bau) Stutt­gart
Anti­fa­schis­ti­sche Aktion [O] Villingen-Schwenningen
… und wird unter­stützt von:
Anti­fa­schis­ti­sche Aktion Bad Berg­z­abern
Antifa Ortenau
Anti­fa­schis­ti­sche Linke Frei­burg (ALFR)
Anti­fa­schis­ti­sche Aktion (Auf­bau) Tübin­gen
Anti­fa­schis­ti­sche Jugend Rems-Murr
Deut­sche Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei (DKP) Baden-Württemberg
Frie­dens­in­itia­tive Bruch­sal
Links­ju­gend [’solid] Baden-Württemberg
Sozia­lis­ti­sche Deut­sche Arbei­ter­ju­gend (SDAJ) Baden-Württemberg
Sozia­lis­ti­sche Deut­sche Arbei­ter­ju­gend (SDAJ) Tübin­gen
Rein­hard Püschel, DKP-Stadtrat, Heidenheim